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 International Space Camp 1999

Drei EMAner für eine Woche als Gast der NASA in den USA

Am Freitag, den 30.7.1999 um 10.00 Uhr, machten wir - unser Physiklehrer Herr Dr. Martini, Christoph v. Krockow und Julia Gierlich, uns auf den Weg nach Huntsville Alabama, USA., zum "International Space Camp 1999". Dieses Camp wird von der NASA organisiert und lädt aus mehr als 30 Ländern jeweils eine Schülerin, einen Schüler und einen Lehrer ein, um eine Woche lang dort an einem festgelegten Programm teilzunehmen. Dafür, dass gerade wir EMAner ausgewählt worden sind, haben wir unserem Kooperationspartner DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) zu danken, das auch einen wesentlichen Teil der Kosten übernommen hat. Als wir nach fast 24 Stunden Reisezeit endlich mitten in der Nacht (Ortszeit) dort ankamen, wurden wir von einem kleinen Empfangskomitee im Camp in unsere Schlafräume eingewiesen. Viele andere "internationals" (wie wir genannt wurden) waren bereits am Abend eingetroffen und auf die Zimmer verteilt worden, so dass in Julias Zimmer bereits eine Griechin, eine Neuseeländerin und eine Brasilianerin schliefen.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der "internationals" und der "Teachers Of The Year". Diese Lehrer waren nämlich ganz besonders ausgewählte amerikanische Lehrer: aus jedem amerikanischen Bundesstaat kam ein Lehrer bzw. eine Lehrerin. Einer von ihnen, ein Grundschullehrer, war sogar "Teacher of the Year of the whole USA" und war damit der Leiter dieses Trupps. Diesem Trupp schlossen sich die internationalen Lehrer an, also auch Herr Dr. Martini, den wir nach Programmbeginn am Sonntag nur durch Zufall zu Gesicht bekamen.

Am Samstagabend fand die Opening-Ceremony statt, bei der jedes vertretene Land durch seine Teilnehmer möglichst originell vorgestellt werden sollte. Wir haben eine Kombination aus Beethoven und Goethe in Form des "Flohlieds" aus dem "Faust" vorgetragen. Unser Musiklehrer Herr Henn war so nett gewesen und hatte mit uns vorher in der Schule etwas geprobt und auch die Klavierbegleitung auf CD eingespielt. Während des anschließenden "Welcome Dinners" kam man dann locker mit Leuten aus den verschiedensten Staaten der Welt ins Gespräch und war froh, als man um 23.00 Uhr im Bett lag.

Am Sonntag begann dann das Programm, aber bevor es richtig losgehen konnte, wurden wir in "teams" und "tracks" eingeteilt und schließlich in die manche Teilnehmer belustigenden Hausregeln eingewiesen. Weil zu den "internationals" noch zahlreiche junge Amerikaner dazukamen, bestanden dann die vier Teams immer ungefähr aus 16 Personen. In unserem Team, das nach der ersten Frau im Weltraum benannt wurde -Tereshkova- waren Deutschland, Griechenland, Brasilien und Neuseeland jeweils männlich und weiblich vertreten und die USA zusätzlich noch mit sechs Jungs und zwei Mädels. Unser Team, wie sollte es auch anders sein, war natürlich das beste ... vielleicht nicht im rein technischen Sinne, aber auf alle Fälle in Bezug auf den Spaßfaktor. Das bekamen wir auch immer wieder von unseren "coaches" bestätigt, die uns von Programmpunkt zu Programmpunkt führten und auf uns Acht geben mussten, dass wir nicht aus dem total eingezäunten NASA-Gebiet davonliefen.

Was wir dann alles gemacht haben, ist sehr schwer in Worte zu fassen, weil man selbst eigentlich nie Zeit hatte alles richtig in sich aufzunehmen; denn morgens um 6.30 Uhr wurde man recht brutal geweckt und vor 23.00 Uhr, wenn die Lichter ausgemacht wurden, hatte man fast gar keine freie Minute um sich mal kurz zu entspannen oder gar für sich zu sein.

Was taten wir nun genau? Logischerweise bekamen wir Vorträge über Themen wie Astronomie, Geschichte der Raumfahrt, Erfindungen der Raumfahrt und Zweck der Raumfaht gehalten. Doch das war nur der kleinere theoretische Teil unseres Programms; den größeren Raum nahmen die praktischen Aktivitäten ein. Wir haben in der sogenannten "Area 51" in Fünfer- bzw. Sechsergruppen im Freien Hindernisse überwinden und Aufgaben erledigen müssen, welche an einen komplizierten Abenteuerspielplatz erinnerten. Natürlich haben wir verschiedene Dinge ausprobiert, um wie ein Astronaut der Schwerelosigkeit näher zu kommen. Einmal gab es da den Spaceshot, bei dem man im freien Fall ein ziemlich komisches Gefühl im Magen bekam. Dann war da der "MAT" (Multiple Achses Trainer), der einen in alle möglichen und unmöglichen Richtungen und Positionen mit einer recht hohen Geschwindigkeit drehte, so dass man gar nicht mehr wusste, wo nun eigentlich oben und unten war. Doch der Höhepunkt dieses Astronautentrainings war das "SCUBA Diving", das Unterwassertraining in voller Tauchausrüstung in einem Becken von ca. sechs Metern Tiefe, in dem man sich Metallkugeln zuwarf und versuchte, Sachen an Stahlgerüsten festzumachen in einer Umgebung, die ähnlich der Schwerelosigkeit nicht wirklich zwischen oben und unten unterschied. Es gab auch noch sogenannte "wateractivities", wo man unter einem ausgebreiteten Fallschirm durchmusste, wobei bestimmte Regeln zu beachten waren. Auch musste man sich zu Dritt von einem Rettungshubschrauber retten lassen oder man musste, wie Herr Dr. Martini, an einem Stahlseil herab ins Wasser rutschen und zu Siebt in einem Schlauchboot fahren. In Anbetracht des Wetters taten diese "wateractivities" richtig gut, weil es um die 40°C warm war und bis zu 95% Luftfeuchtigkeit herrschte, so dass man es draußen fast nicht aushalten konnte. Deshalb war es täglich ein Problem zu entscheiden, was man anziehen sollte, weil es in den Gebäuden wiederum auf ungefähr 18°C runtergekühlt war und man ständig zwischen draußen und drinnen rumlaufen musste.

Eine Aktion, die auch noch viel Spaß machte, auf die auch viel Wert gelegt und die mit Probetrainings gut vorbereitet wurde, war das sogenannte EDM, eine simulierte sechsstündige Mission, bei der ein Raumflug zu einer Raumstation und zurück nachgespielt wurde. Mit Hilfe von Computerprogrammen lief das so ab, dass eine Gruppe in MOCR (Mission Operation Control Room) saß, der sich in Houston, Texas, "befand" (im Spiel, versteht sich) und zu der man dann als Crew des Raumschiffes im Notfall die berühmten Worte "Houston, we´ve got a problem!" sagen konnte. Zwei weitere Gruppen bildeten die Crews von Raumschiff bzw. Raumstation, wobei nach Ankunft des Raumschiffes bei der Raumstation die Besatzung logischerweise wechselte, um die alte Crew der Raumstation zur Erde zurückzubringen. Dieses live-Computerprogramm war absolut spitze und um einiges aufregender als das "Mars-Race", das mit Hilfe von Aktivbildschirmen und von Joysticks gespielt wurde und wobei man blöde Pakete in einer Marslandschaft aufsammeln musste. Wiederum lustig war es aber, eigene Raketen zu basteln und fliegen zu lassen oder aber Sonnenflecken und die Sterne über Alabama mit der richtigen Ausrüstung zu betrachten. Man konnte sogar den Mars mit seinem roten Feuerring gut erkennen.

Ebenfalls zum Programm gehörten Museumsbesichtigungen, eine Picknicktour, ein Ratequiz zum Thema Raumfahrt, ein Persönlichkeitstest und das Besuchen eines IMAX-Kinos, welches tolle 3-D-Filme zeigte, sowie eine Museumsjagd durch das hauseigene Museum des "U.S. Space&Rocket Center", in dem wir uns schließlich befanden.

Sowieso waren wir hauptsächlich im camp und hatten nur am allerletzten Tag die Möglichkeit in einer "mall" (amerikanisches Einkaufszentrum unter einem Dach) etwas einzukaufen.

Dieser letzte Tag - Freitag, der 6.8.99 - war viel lockerer als die Tage zuvor, weil das Programm schon mittags endete und nachmittags die "graduation" als Abschlusszeremonie mit Überreichung der Teilnehmerurkunden und besonderer Auszeichnungen stattfand. Dies war zwar sehr feierlich und schön, aber auch recht traurig, weil ein paar Amerikaner unseres Teams schon direkt danach abreisten und wir in dieser intensiven Woche ziemlich eng zusammengekommen waren und jeder einzelne einen festen Platz im Team hatte.

Aber mit allen, die noch blieben, wurde abends im "Rocket Park" unter einer Nachbildung eines "Spaceshuttles" eine große Party mit Malzbier, Musik und super Stimmung gefeiert. Doch leider war um 23.00 Uhr schon wieder Schluss, weil sich viele noch in der Nacht oder frühmorgens auf den Weg nach Hause machen mussten, und das bedeutete für so manchen eine Reise um die halbe Welt.

Und genau dieser Punkt war es, der diese eine Woche so wichtig, belehrend und aufregend machte, denn wo sind schon zur selben Zeit aus 32 Staaten Menschen zusammen, die gemeinsame Ziele haben: neue Freunde finden, Spaß haben und nebenbei was lernen! Es ist einfach toll mit Adressen von Leuten aus der ganzen Welt zurückzukehren, den Kontakt zu pflegen und sich vielleicht irgendwann mal wieder zu treffen, sei es in Australien oder auf Costa Rica. Wenn so etwas nicht zur Völkerverständigung beiträgt, dann sind wir auf alle Fälle mit unserem Latein am Ende. Wir jedenfalls sind sehr froh darüber die Chance gehabt zu haben, diese geniale Woche mit all den tollen Menschen im Space Camp zu verbringen.

Julia Gierlich/Christoph v. Krockow, Jgst. 12