Dieser Eintrag stammt von W. W. (* 1954) aus Bonn. 25.02.2000:
   


Evangelischer Kirchentag 1981- Friedensbewegung

Lange Zeit hatte ich nicht mehr politisch engagiert. Examen, Heirat und Geburt
meines Sohnes hatten mich stark in Beschlag genommen. Inhaltlich hatte ich mich auch von der studentischen Linken (MSB, SHB, K-Gruppen) distanziert, nachdem ich doch sehr deutlich an der Uni in Seminaren, Vorlesungen und Mensadiskussionen mitbekommen hatte, wie es während des "deutschen Herbstes" nicht nur "klammheimliche Sympathie" für die RAF-Gewalt gab. Insofern hatte ich mich danach eher in kirchlichen Gruppen engagiert.
Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan wurde von mir und von den anderen kirchlichen Aktivisten nur am Rande wahrgenommen. NATO-Doppelbeschluss...hat man in der Zeitung schon gelesen. 1980...Bundestagswahlkampf, Boykott der Olympischen Spiele, das waren die Themen...

Und dann, fast wie aus heiterem Himmel, verändert sich der evangelische Kirchentag in
Hamburg. Der Protest gegen die NATO-Nachrüstung überlagert alle anderen Themen.
Am Schlusstag ziehen fast 70.000 durch Hamburg. Die beiden Studenten, die uns am während des Kirchentages Unterkunft gewährten, waren richtig empört, als ich berichtete, dass ich nur kurz an der Demo teilgenommen und mir lieber die Hamburger Innenstadt angesehen hatte. Es war übrigens richtig "Öko-Zeit": Ich gestehe, dass ich viele Kirchentagsschriften in einer Plastiktüte herumtrug. Mehrfach wurde ich am selben Tag angemacht: "Jute statt Plastik".
Wie ging es weiter? Herbst 1981 große Demo im Bonner Hofgarten, Fronleichnam 1982 noch eine Großdemo in der Rheinaue, dann aber Herbst 1982 "Nachrüstungskanzler" Schmidt am Ende..... Ära Kohl

(nach Schülerinterview Dezember 1999)