Evangelischer Kirchentag 1981-
Friedensbewegung
Lange Zeit hatte ich nicht mehr politisch engagiert. Examen, Heirat und Geburt
meines Sohnes hatten mich stark in Beschlag genommen. Inhaltlich hatte ich mich auch von
der studentischen Linken (MSB, SHB, K-Gruppen) distanziert, nachdem ich doch sehr deutlich
an der Uni in Seminaren, Vorlesungen und Mensadiskussionen mitbekommen hatte, wie es
während des "deutschen Herbstes" nicht nur "klammheimliche Sympathie"
für die RAF-Gewalt gab. Insofern hatte ich mich danach eher in kirchlichen Gruppen
engagiert.
Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan wurde von mir und von den anderen kirchlichen
Aktivisten nur am Rande wahrgenommen. NATO-Doppelbeschluss...hat man in der Zeitung schon
gelesen. 1980...Bundestagswahlkampf, Boykott der Olympischen Spiele, das waren die
Themen...
Und dann, fast wie aus heiterem Himmel, verändert sich der evangelische Kirchentag in
Hamburg. Der Protest gegen die NATO-Nachrüstung überlagert alle anderen Themen.
Am Schlusstag ziehen fast 70.000 durch Hamburg. Die beiden Studenten, die uns am während
des Kirchentages Unterkunft gewährten, waren richtig empört, als ich berichtete, dass
ich nur kurz an der Demo teilgenommen und mir lieber die Hamburger Innenstadt angesehen
hatte. Es war übrigens richtig "Öko-Zeit": Ich gestehe, dass ich viele
Kirchentagsschriften in einer Plastiktüte herumtrug. Mehrfach wurde ich am selben Tag
angemacht: "Jute statt Plastik".
Wie ging es weiter? Herbst 1981 große Demo im Bonner Hofgarten, Fronleichnam 1982 noch
eine Großdemo in der Rheinaue, dann aber Herbst 1982 "Nachrüstungskanzler"
Schmidt am Ende..... Ära Kohl
(nach Schülerinterview Dezember 1999) |