Dieser Eintrag stammt von S. J.(*1982) aus Bonn. sj@ema.bn.nw.schule.de, 3.4.2000:
   

Zwangsweise Teilnahme am Krieg

Bernd K. war als Soldat im 2. Weltkrieg in den Jahren 1943-45 aktiv. Nicht mit Stolz, eher mit Unmut und Schuldgefühl erinnert sich Bernd, der ältere von zwei Söhnen,  an den 2.Weltkrieg. "Es war im Frühling 43, als ich eines Tages von der Waffen-SS zum Wehrdienst eingezogen wurde. Natürlich traf mich diese Nachricht wie ein Donnerschlag." Damals war die Teilnahme am Krieg unbedingte Pflicht. "Heutzutage ist das ja so, dass du eine Verweigerung schreiben und dann Zivildienst machen kannst. Aber damals hattest du einfach keine Chance, dich zu verstecken und dich vor dem Zivildienst zu drücken. Du musstest zur Wehrmacht gehen, ob du wolltest oder nicht, ansonsten warst du ziemlich schnell am Baum festgebunden. Also musste ich zur Wehrmacht. Ich selbst verband aber direkt die Wörter "Krieg" und "Wehrmacht" mit Tod, weil mein Onkel im 1.Weltkrieg gefallen war." Nachdem er sich von seinen Eltern verabschiedet hatte und versichert hatte, ihnen auch ganz bestimmt in regelmäßigen Abständen einen Brief zu schreiben, ging er also mit einem mulmigen Gefühl und mit Unsicherheit zur Wehrmacht. Er wurde nur kurze Zeit in Laibach (heute Slowenien) ausgebildet und dann nach Rußland geschickt. "Ohne eine richtige Ausbildung war ich nun im mir völlig unbekannten Rußland und sollte als Soldat kämpfen. Wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, auszubrechen, wäre ich bestimmt sofort abgehauen. Denn was ich da erlebt habe, das will ich nicht noch einmal in meinem Leben erleben. Beispielsweise wurden gefangene Partisanen in unser Lager gebracht und vor unseren Augen erschossen. Auch ich selbst wurde am Arm und am Oberschenkel verwundet." Für ihn selbst waren die drei Jahre Kriegsteilnahme sowohl die schlimmste Zeit in seinem Leben als auch verschwendete Zeit. "Ich war nicht mit Stolz erfüllt, für mein Vaterland kämpfen zu dürfen. Die ganze Zeit über hatte ich nur einen Wunsch: Ich wollte nach Hause." Diese drei Jahre Kriegszeit haben sein Leben bis heute stark geprägt, weil er dort alles mögliche an Grausamkeiten miterlebte, mehr als in seinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt. Seiner Meinung nach sollte es heute freigestellt werden, ob man entweder Zivildienst oder Wehrdienst machen möchte. Als letzten Satz unserer informativen Unterhaltung sagte er: "Hoffen wir, dass so etwas nicht noch einmal passiert." Dies hoffe ich auch.

Interview, Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn

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