Dieser Eintrag stammt von V. S. (*1983) aus Bonn. vs@ema.bn.nw.schule.de, 3.4.2000
   

Der Fall der Mauer

Die Berliner Mauer, die wohl für jeden in Deutschland ein Begriff ist, teilte seit 1961 die Stadt. Schon seit 1952 war die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik abgeriegelt und der Bau der Mauer war nun die letzte Maßnahme, um DDR - Bürger und Berliner der östlichen Stadtteile an der Flucht nach Westberlin/Westdeutschland zu hindern. Dementsprechend war die Öffnung der innerdeutschen Grenzen und der Fall der Mauer am 9. November 1989 beziehungsweise die Wiederherstellung der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 ein einschneidendes Ereignis in der deutschen Geschichte. Immer wieder hört man davon, wie Menschen in diesen Tagen sich vor Freude in die Arme fielen. Der Jubel in beiden Teilen Deutschlands war groß. In einem Gespräch mit meiner Mutter berichtete diese mir: "Als Achtzehnjährige feierte ich Silvester bei Freunden in Ostberlin. Hierbei hatten wir aber ein Problem zu überwinden: als Westdeutsche durfte ich nicht länger als bis elf Uhr abends im Ostberliner Stadtteil bleiben , danach musste man durch die 'Schleuse' zwischen West - und Ostberlin, den S - Bahn - Übergang , wieder zurück. Damit wir trotzdem zusammen auf das neue Jahr anstoßen konnten, mussten wir uns also etwas ausdenken, um die Zeit zu überlisten. Wir stellten unsere Uhren um zwei Stunden vor und so begann unser neues Jahr anstatt um Mitternacht schon um zehn Uhr. Die Nachricht vom Fall der Mauer war für mich einfach unglaublich: das Gefühl, dass man nun ohne Probleme von West nach Ost und umgekehrt kommen sollte, kann man nicht beschreiben. Um alles noch einmal genau und mit eigenen Augen zu sehen, schaute ich mir immer wieder die Bilder in den Nachrichten an. All die jubelnden Menschen haben mich sehr bewegt. Ich sah, wie die Mauer förmlich in Stücke zerlegt wurde und erinnerte mich an Aufnahmen vom Brandenburger Tor von früher: Absperrungen und Bewachungsanlagen machten einen abschreckenden Eindruck und die Gefahr, die diese ausstrahlten, hielten jeden davon ab, zu nahe heranzugehen, das sollte nun also alles ein Ende haben. Ich musste mir die Bilder im Fernsehen immer wieder ansehen, um glauben zu können, dass es auch wahr war. Als ich vor zwei Jahren dann schließlich zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung wieder nach Berlin kam, fand ich es erstaunlich, dass Überreste der Mauer kaum noch sichtbar waren. Und trotzdem war der Unterschied zwischen ehemaligem Ost - und Westberlin doch noch klar erkennbar: Die Plattenbauten sind nur ein Beispiel hierfür. Die Wiedervereinigung Deutschlands war das Ende der Nachkriegszeit in Deutschland. Das politische System, die Wirtschaftsordnung, aber auch das Leben der Menschen in beiden Teilen Deutschlands wurden durch die deutsche Einheit verändert. Es stellte sich die schwierige Aufgabe, soziale und wirtschaftliche Folgen erfolgreich zu meistern. Gerade aus diesen Gründen hat der 3. Oktober 1990 für jeden in Deutschland eine individuelle Bedeutung .

 

Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn

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