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Dieser Eintrag stammt von B. E. (*1982) aus Bonn. be@ema.bn.nw.schule.de, 6.4.2000: |
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Der Terrorismus der RAF Die Schleyer-Entführung Anna Lisse scheint sehr aufgebracht zu sein, als sie beginnt, sich an den sogenannten `deutschen Herbst´ und die vorangegangenen sieben Jahre zu erinnern. Sie lebte 1977 in Köln und studierte dort Soziologie und Volkswirtschaft. So bekam sie auch die linke Bewegung sehr nahe zu spüren. Sie berichtet: Am späten Nachmittag vom 5.September 1977 erfuhr ich aus dem Radio , dass Dr. Hanns-Martin Schleyer, der Präsident der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Bundes der Deutschen Industrie, in der Stadt, in der auch ich wohnte, trotz Begleitung auf offener Straße entführt wurde und dass in einer Schießerei sein Fahrer und noch einige andere Menschen erschossen werden. Wir waren alle entsetzt und auch wahnsinnig enttäuscht, weil wir nach der Verhaftung von Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Jan Karl Raspe 1975 eigentlich gehofft hatten, die Lage in ganz Deutschland könnte sich endlich verbessern. Diese mutmaßlichen Terroristen gehörten der 'Rote Armee Fraktion' an und saßen in einem Hochsicherheitsgefängnis in Stuttgart-Stammheim ein. Doch auch vor der Schleyer-Entführung gab es blutige Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen Rechtsstaat und der RAF im Untergrund, die ihre verhafteten Mitglieder aus der Haft befreien wollten. Ich war damals schon sehr wütend, weil diese Radikalität meiner Meinung nach nicht der richtige Weg sein konnte und ich als deutscher Bürger eigentlich nicht mehr gewillt war, alles hinzunehmen, obwohl ich persönlich natürlich nichts ausrichten konnte. Die Entführung von Dr. Schleyer war für mich dann der absolute Gipfel. Die RAF forderte die Freilassung von elf gefangenen Mitgliedern. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) berief einen Krisenstab ein und in diesem wurde entschieden, dass man versuchen wollte, den Entführten zu befreien und trotzdem einen Austausch zu verhindern. Das schien schon ein schwierigeres Unterfangen zu sein, aber die meisten Bürger hielten Schmidt für einen ausgewogenen Vertreter der Republik und waren so nicht allzu schockiert über diese Entscheidung. Auch ich fühlte mich in einer Art Zwiespalt. Auf der einen Seite fand ich es unzumutbar, einen Menschen zu opfern, aber auf der anderen Seite war ich auch nicht mehr bereit, den Terror, den die RAF verursachte, einfach so hinzunehmen. Ich hatte ja sogar in Köln schon Angst davor, auf die Straße zu gehen . Man merkte, dass es überall 'zündelte'. Die Führung wurden dann auch dem BKA übertragen und die größte Fahndungsaktion in der deutschen Geschichte startete, was sich schon sehr bald als großer Fehler rausstellen sollte. Durch unkoordiniertes Arbeiten zwischen dem BKA und der Kriminalpolizei gingen wichtige Informationen verloren und ich kann mich noch genau erinnern, wie wütend ich darüber war, wie schlampig diese Leute an eine so lebenswichtige Aufgabe herangingen. Am 13.Oktober wurde dann zu aller Krönung eine Lufthansa-Maschine mit 91 Passagieren entführt und die RAF forderte, obwohl sie Schleyer noch in Gefangenschaft hielt, erneut die Freilassung ihrer Mitglieder. Im Fernsehen verfolgte ich den nervenaufreibenden Irrflug mit, der vier Tage lang dauerte und zeitgleich versuchte Staatsminister Wischnewski eine Landeerlaubnis in irgendeinem Land zu bekommen. Ich war einfach nur noch enttäuscht und traurig darüber, wie stark der demokratische Apparat doch zu scheitern drohte. Um so mehr konnte ich dann triumphieren, als das Flugzeug in einem Blitzangriff gestürmt wurde und somit der RAF gezeigt wurde ,dass sie nicht alle Möglichkeiten hatte 'den Staat aus den Angeln zu heben' ,was sie sich zum Ziel gemacht hatten. Das schreckliche Ergebnis dieses Angriffes war allerdings , dass insgesamt sechs Menschen ums Leben kamen. Es waren drei der Flugzeugentführer und Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Karl Raspe. Die letzten drei begingen nach der Angriffsmeldung Selbstmord. Doch damit war die grausame Entführung von Hanns-Martin Schleyer immer noch nicht beendet. Es war eine regelrechte Qual mitanzusehen, was diesem Menschen widerfuhr. Nach zwanzig Tagen hatten seine Entführer ihn zum Zeichen, dass er noch lebte, fotografiert. Auf dem Bild ist sein Gesicht aufgedunsen und er sieht sehr krank aus. Am 19.Oktober war Schleyer dann seit einem Monat und 14 Tagen gefangen. Er wurde von zwei Entführern in den Kofferraum eines Wagens geschmissen und dann aus dem Versteck in Brüssel über die Grenze ins Elsaß gefahren. Im Glauben darauf, dass er freigelassen wird, ließen sie ihn auf ein freies Feld laufen und erschossen ihn dann von hinten. An diesem Tag wurde mir sehr deutlich bewusst, wie die sieben Jahre 'Stadtguerilla' mit insgesamt 47 Toten die Bundesrepublik verändert hatten. Deutschland hatte an Liberalität verloren. |
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