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Dieser Eintrag stammt von F.Josef Stauf (*1953) aus Sankt Augustin. (stauf@web.de), 25.03.2000: |
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Studienreise in die DDR (1983)
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| Das Jugendamt der Stadt Bonn organisierte im September 1983 eine einwöchige
Studienreise in die damaligen Bezirke Erfurt, Gera und Halle mit Übernachtungen in
Eckartsberga und Weimar. Beteiligt waren Sozialarbeiter, Jugendgruppenleiter und
Pädagogen. Neben einem riesigen Kulturprogramm (Wartburg, Erfurt, Naumburg, Weimar/Buchenwald, Halle/ Halle-Neustadt) kam es auch zu vielen geplanten Begegnungen (OB Halle, offizielle Diskussionen), aber auch zu von der Reiseleitung ungeplanten Begegnungen. In Weimar gelang es sogar einigen Teilnehmern, an einem Treffen von DDR-Friedensbewegten teilzunehmen. Statt eines Theaterbesuchs in Weimar konnte ich mich an einer Spontanfête in einem Abbruchhaus am Rande der Weimarer Innenstadt beteiligen. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einem Kontakt zu einem Jugendpfleger der ev. Kirche aus Altenburg. Wir verabredeten spontan eine Platten- und Büchertauschaktion, die über mehrere Jahre ging. Gegen BAP-Platten (BAP hatte Auftrittsverbot in der DDR bekommen) in falschen Hüllen und abgelösten Aufklebern erhielt ich einen Grundstock von DDR-Platten der Bereiche Folk. Viele Platten kamen auch nicht an oder wurden zurückgesandt. Die evangelische Jugendarbeit war damals in vielen Plattenbaustadtteilen für Jugendliche der einzige Ansprechpartner. Die Bonner war politisch sehr divergent zusammengesetzt: Vom
Anarchisten über den Grünen hin zu etablierten Parteigängern, sodass während der meist
langen Essenswartezeiten, obwohl die Wessi-Gruppe schon an den wartenden DDR-Bürgern
vorbei ihre Plätze im Restaurant erhielt, scharf diskutiert wurde. Ein Mitreisender Am letzten Tag habe ich mein DDR-Zwangsumtauschgeld in einer Buchhandlung in Schulbücher umgesetzt und dabei auch für meine damals dreijährige Tochter die Fibel des 1. Schuljahres erworben (UNSERE FIBEL, Volk und Wissen, VEV Berlin 1983). Beim Blättern war ich erstaunt, welche Politisierungen und Militarisierungen dort zu finden waren. Bei der offiziellen Abschlussdiskussion "Friedenspolitik" zeigt ich dann einige Seiten vor, was sich dann in der General-Anzeiger-Schlagzeile "Ein MG im Schulbuch von I-Dötzchen" niederschlug. (General-Anzeiger Bonn, 1.10.1983, S.3) P.S.: Besonders erstaunt hat mich damals, dass in der DDR der Namenspatron unserer Schule, deren Umbenennung 1968 sehr häufig gefordert wurde, so gut beurteilt wurde: EMA-Uni in Greifswald, die Nationalzeitung der Blockpartei NDPD trug sogar die Ernst-Moritz-Arndt-Medaille! (F. Josef Stauf, Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn) |
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