Merkur vor der Sonnenscheibe

7. Mai 2003

 Volker Martini , Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn

 

Am Mittwoch, dem 7. Mai 2003 , ereignete sich ein seltenes Himmelsschauspiel : Der innerste Planet Merkur wanderte auf seiner Bahn um die Sonne vor der Sonnenscheibe vorbei. Dieser Vorgang, den die Astronomen Transit nennen, begann um 7:13 Uhr und endete um 12:32 Uhr. Es bot sich die Gelegenheit, dieses seltene Ereignis während der Unterrichtszeit am EMA zu beobachten.

Am Vorabend wurde auf der Dachterrasse über dem Kunstraum ein Teleskop aufgebaut und ausgerichtet. Vor die Objektive von Teleskop und Sucherfernrohr wurden spezielle Filter montiert, um die Sonne gefahrlos beobachten zu können. Außerdem wurde der Einsatz einer Digitalkamera getestet, mit der die einzelnen Phasen des Merkurtransits im Bild festgehalten werden sollten.

Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. In der Nacht zum Mittwoch verzogen sich die Wolken und vor Schulbeginn strahlte die noch niedrig stehende Sonne verheißungsvoll am Himmel. Sie schien den ganzen Vormittag. Nur selten trübten Dunstschleier die klare Sicht. Schüler aller Jahrgangsstufen und natürlich auch die Lehrer konnten so mit einem Blick durch das Teleskop den Merkurtransit erleben (Abb. 1, 2 und 3).

Bei einem Merkurtransit  erscheint die dunkle Schattenseite des Planeten vor der gleißend hellen Sonne als ein sehr kleines schwarzes Scheibchen. Sein scheinbarer Durchmesser beträgt nur etwa den 150-ten Teil des Sonnendurchmessers. Darum kann der Transit nur mit einem Teleskop beobachtet werden.

Als Teleskop haben wir ein Spiegelteleskop ETX-105EC von Meade benutzt. Wir haben es parallaktisch montiert, d.h. wir haben eine Drehachse des Teleskops parallel zur Drehachse der Erde ausgerichtet (Abb. 3 und 4).  Bei dieser Montierung bleibt die Nord-Süd-Orientierung der durch das Okular beobachteten Sonnenscheibe erhalten, wenn man mit dem Teleskop der scheinbar wandernden Sonne folgt. Hierdurch wird es leicht, die Bahn des Merkur zu verfolgen. Die Intensität des in das Teleskop eintretenden Sonnenlichts wurde mit einem Glas-Sonnenfilter vom Typ A-VIS mit einer Durchlässigkeit von 0,001% stark reduziert. Beim Sucherfernrohr wurde das Sonnenlicht mit einer sogenannten Baader-Folie gefiltert. 

Zwischen den Phasen, in denen Schülergruppen die Sonne und den vorbeiziehenden Merkur unmittelbar durch das Teleskop beobachten konnten, wurden immer wieder Fotos vom Merkurtransit gemacht. Es wurde afokal durch das Fernrohr fotografiert. Bei dieser Methode befindet sich das Kameraobjektiv vor dem Okular und sieht durch das Okular hindurch (Abb. 5). Alle Aufnahmen wurden mit einer Digital Ixus von Canon in Kombination mit einem 20mm-Super-Plössel-Okular gemacht. Okular und Kamera waren mit einer selbstgebauten Halterung fest miteinander verbunden. Alle Aufnahmen wurden mit Selbstauslöser gemacht, um ein Verwackeln zu vermeiden.

Während des Vormittages wurden mehrfach aktuelle Bildserien praktisch live ins Internet gestellt. Dies geschah im Rahmen unseres RAFT-Projektes. Die Webseiten wurden von der Fraunhofer-Gesellschaft zur Verfügung gestellt.

In dem verwendeten Spiegelteleskop werden die Lichtstrahlen zur bequemeren Beobachtung über einen Planspiegel zum nach oben ausgerichteten Okular reflektiert. Hierdurch erhält man ein aufrechtes, aber seitenverkehrtes Bild. Dies lässt sich beispielsweise an der Lage von Sonnenflecken erkennen. Die Bilder wurden bei der Verarbeitung im Computer horizontal gespiegelt, um wieder die tatsächliche Ausrichtung der Sonne und der Bahn des Merkur zu erhalten.

Als typisches Beispiel ist in Abb. 6 eine Aufnahme zu sehen, die um 9:29 Uhr gemacht worden ist. Sie zeigt einen Ausschnitt der Sonne mit dem vergleichsweise winzigen Merkur oben rechts und zwei Sonnenflecken, von denen der eine größer und der andere kleiner als der Merkur erscheint. Die beiden Sonnenflecken sind willkommene Orientierungspunkte, da sie nahezu ortsfest sind. Die Sonne dreht sich zwar um ihre eigene Achse und mit ihr die Sonnenflecken, aber bei einer Umdrehungszeit von etwa 27 Tagen können wir die Verschiebung der Sonnenflecken während der vierstündigen Beobachtungszeit näherungsweise vernachlässigen.

Da die Kamera zwischen den einzelnen Beobachtungsphasen häufig ein- und ausgebaut wurde, ließ es sich nicht vermeiden, dass die Bildebene hierbei leicht verdreht wurde. Dieser störende Effekt wurde am Computer durch Drehen der Bilder korrigiert. Es wurde darauf geachtet, dass nach der Korrektur die Verbindungslinie der beiden Sonnenflecken gegenüber der unteren Bildkante immer denselben Neigungswinkel a hatte (Abb. 7).  Die Bahn des Merkur vor der Sonnenscheibe lässt sich so leicht sichtbar machen. In Abb. 8  wurden Ausschnitte von fünf Aufnahmen, die zu verschiedenen Zeiten gemacht worden sind, zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Auf jedem der Ausschnitte ist der Merkur zu sehen. Man sieht, dass die Bahn des Merkur geradlinig verläuft. Die unterschiedlichen Abstände der Merkurscheibchen entsprechen den unterschiedlichen Zeitspannen zwischen den Aufnahmen. Der Merkur hat sich also, wie zu erwarten, vor der Sonnenscheibe mit konstanter Geschwindigkeit bewegt.

Abb. 9  zeigt den Merkur kurz vor und beim Verlassen der Sonnenscheibe. Diese Aufnahme macht deutlich, dass die Beobachtungsbedingungen gut waren. Die Schattenseite des Merkur ist klar als Kreisscheibe zu erkennen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie klein der Merkur im Vergleich zur Sonne erscheint. In Wirklichkeit ist er sogar noch um ein Drittel kleiner, weil man berücksichtigen muss, dass der Merkur beim Transit weniger weit von der Erde entfernt ist als die Sonne.

Um 12:32 Uhr war das Himmelsschauspiel vorbei. Es war ein erlebnisreicher Vormittag. Der nächste Merkurtransit, den wir in Deutschland beobachten können, findet erst am   9. Mai 2016 statt.Ohne die Bilder von der Station und den Beobachtern am Teleskop wäre die Erinnerung nur halb so schön. Diese Fotos wurden von Frau Fritzsche gemacht. Sie hat außerdem die vom Autor durch das Teleskop fotografierten Bildserien vom Merkurtransit im Rahmen unseres RAFT-Projektes auch über die Fraunhofer-Gesellschaft ins Internet gestellt. Herzlichen Dank.

 

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