Christentum - Vergleich christlicher Glaubensrichtungen

Orthodoxie


Geschichte der Orthodoxie


Das Wort Orthodoxie stammt von den griechischen Wörtern orthos (=richtig) und den Verben dokeo (=glauben, meinen) bzw. doxazi (=lobpreisen) ab. Es wird im Allgemeinen mit "Rechtgläubigkeit" übersetzt und als Lobpreisung der verborgenen aber gegenwärtigen Herrlichkeit Gottes als eine erlebte Wirklichkeit des Glaubens verstanden.

Grundlagen der orthodoxen Kirche


Im orthodoxen Glauben gibt es nur eine einzige Kirche, was vielen Vorstellungen, dass es mehrere Kirchentümer nebeneinander gibt, widerspricht.

Die orthodoxe Kirche ist heilig. In ihr sind das wahrhaft Göttliche und das wahrhaft Menschliche ungetrennt miteinander verbunden (Konzil von Chalkedon). Mit diesem Brauch richtete man sich nach Jesus Christus, der Gott als reeller Organismus auf der Erde darstellte.

Die Kirche ist katholisch. Hierbei darf man "katholisch" nicht mit der anderen christlichen Konfession verwechseln, sondern muss auf den Ursprung dieses Wortes eingehen. "Katholisch" bedeutet "an das ganze fassend" und will sagen, dass man sich in ganzem Maße zur Kirche bekennen soll.

Die orthodoxe Kirche ist apostolisch, da Christus sie auf die Apostel gegründet hat. Nur wenn man nachweisen kann, dass man aufgrund der Tradition und Familie einen Bezug zu den Aposteln hat bzw. mit ihnen in Verbindung steht, wird man als Bischof in die wahre Gemeinschaft der Kirche aufgenommen.

Ein wichtiger Punkt bei den orthodoxen Gläubigen ist die Betonung ihrer Unwissenheit in Bezug auf Gott. Er ist für sie unbegreifbar, unfassbar und unerkennbar. Der menschliche Verstand ist völlig fassungslos vor dem göttlichen Mysterium.

Näheres zum orthodoxen Glauben


Wie dem gesamten Christentum liegt auch der orthodoxen Kirche das alte und das neue Testament zugrunde. Die Orthodoxen sind jedoch der Meinung, dass die Bibel nicht die Quelle des Glaubens sein kann, weil sie als Resultat daraus entstanden ist. Für sie spielt das Bischofsamt eine weitaus größere Rolle als z.B. für die Katholiken, da dieses sehr viel älter ist als die Bibel.

Mysterien


Für den orthodoxen Christen spielt die Nähe zu Christus eine wichtige Rolle. Diese steht in naher Verbindung mit den heiligen Mysterien. Dazu lässt sich gut die Parallele zu der Geschichte ziehen, in der Christus eine blutflüssige Frau durch Berührung mit seinem Gewandt heilt. Diese Nähe finden die orthodoxen Christen besonders in der Taufe und Firmung (Myronsalbung). Im orthodoxen Glauben ist es möglich, sofort nach der Taufe auch gefirmt zu werden, sodass man von Anfang an am Abendmahl teilnehmen darf. Mit der Taufe ist der Mensch in ganzer Fülle in die Kirche aufgenommen und wendet sich so von Satan ab und zu Christus hin.

Auch bei der Buße (Beichte) weicht man etwas vom Katholizismus bzw. Protestantismus ab. In der Westkirche muss man erst zur Kommunion gegangen sein, um beichten zu dürfen. In der Orthodoxie ist dies nicht notwendig.

Es ist üblich, dass man sowohl körperlich als auch geistig Kranke salbt. In der Westkirche wird dieser Brauch als "letzte Ölung" bezeichnet. Bei den Orthodoxen wird dies anders gehandhabt. Normalerweise wird diese Ölung von sieben Priestern durchgeführt. Es handelt sich hierbei aber nicht immer um eine letzte Ölung vor dem Tod.

Im orthodoxen Glauben spricht man darüber hinaus nicht vom Abendmahl, sondern von der Liturgie. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Liturgie der westlichen Christen, die darunter den Gesang verstehen. Die Liturgie findet in der Orthodoxie nur einmal am Tag statt und nicht mehrmals, wie z.B. bei den Katholiken.

Weiterhin führt die orthodoxe Kirche das Mysterium der Weihe in anderer Weise durch, als die westlichen Christen. Die römische Kirche behandelte das Amt des Diakonats lange Zeit nur als eine Art Durchgangsstufe zum Priestertum. Im orthodoxen Glauben gibt es das Amt des Episkopats (Amt des Bischofs), das Presbyterats (Amt des Priesters) und das Diakonat (Amt des Diakons). Auch die niederen Weihen wie z.B. Lektor und Subdiakon werden durchaus eingesetzt. Die Frauenordination wird jedoch genauso von der orthodoxen wie von der katholischen Kirche abgelehnt.

Das Kirchenjahr


Das Kirchenjahr beginnt für die orthodoxen Gläubigen am 1. September mit einer Vesper (Indiktion). Mit diesem Fest beginnt der erste der beiden Kreise, das sogenannte Mondjahr. Der Höhepunkt des zweiten Kreises, dem Sonnenjahr, ist Ostern. Dieses Fest ist das höchste orthodoxe Fest und für die Gläubigen der wichtigste Tag im Jahr. An das Osterfest sind weitere Feste wie z.B. Christi Himmelfahrt und Pfingsten gebunden. Man feiert im byzantinischen Kirchenjahr zwölf solcher "Hochfeste": Geburt der Gottesgebärerin (8. September); Kreuzerhöhung (14. September); Einführung der Gottesgebärerin in den Tempel (21. November); Geburt des Herrn - Weihnachten (25. Dezember); Erscheinung des Herrn (6. Januar); Darstellung des Herrn (2. Februar); Verkündigung des Evangeliums an die Gottesgebärerin (25. März); Einzug des Herrn in Jerusalem (Sonntag vor Passa); Auffahrt des Herrn (Donnerstag der 2. Woche vor Pfingsten); Offenbarung der Heiligen Dreiheit - Pfingsten (sieben Wochen nach Passa); Verklärung des Herrn (6. August); Entschlafung der Gottesgebärerin (15. August)


Protestantismus

 

Geschichte des Protestantismus


Der Begriff Protestantismus stammt aus der Protestation (Einspruch) der evangelischen Stände auf dem 2. Reichstag zu Speyer 1529 gegen die kaiserliche Religionspolitik. Die katholische und protestantische Kirche waren bis 1517 eine einheitliche Religion. Mit Luther wurde die protestantische von der katholischen Kirche abgespalten.
Protestantismus beschreibt alle aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Religionsgemeinschaften im Gegensatz zur katholischen und orthodoxen Kirche.


Die Bibel ist die ausschließliche Heilsquelle des Christentums. In ihr wird der Glaube an Rechtfertigung vor Gott allein aus der Gnade (Paulus) bestätigt. Ausgangspunkt sind die 95 Thesen Luthers 1517 gegen Missbrauch im Ablasswesen. Er wollte die christliche Kirche reformieren, da er z.B. gegen ihre Ausbeutung der Bevölkerung war. Auch der Meinungsstreit zwischen dem schweizer Prediger Zwingli und dem Ablasshändler Samson 1518 trugen ihren Teil zur Abspaltung bei.

Der Versuch, 1518 auf einer Konferenz in Augsburg (Catejan), Altenburg 1519 (Miltitz) und Leipzig 1519 (Eck) die Gegensätze innerhalb der Gesamtkirche beizulegen, führten zu keiner Einigung und verschärften (Bannbulle gegen Luther 1520, Wormser Edikt 1521) den Konflikt nur mehr. Im Marburger Religionsgespräch 1529, das durch Landgraf Philipp von Hessen einberufen wurde, scheiterte die Einigung zwischen Luther und Zwingli an den unterschiedlichen Auslegungen der Abendmahlslehre. Seit diesem Zeitpunkt prägt sich die lutherische Kirche besonders in Nord- und Ostdeutschland, in Teilen von Süd-Deutschland, in Skandinavien und z.T. in England aus. Die reformierte Richtung Calvins breitete sich in der Schweiz, z.T. in Süd-Deutschland, in Frankreich, den Niederlanden, England aus.

1530 wurde die Augsburger Konfession von dem deutschen Reformator Philipp Melanchthon als Grundlage der protestantischen Bekenntnislehre verfasst. Wenige Zeit später wurde diese jedoch durch einen Reichstagsbeschluss abgewiesen. Hiermit wurde die Kirchenspaltung vollzogen und es drohte ein Religionskrieg. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde die Augsburger Konfession reichsrechtlich als gleichberechtigt anerkannt. Ein Sieg für den Protestantismus. Mit der Zeit gab es immer mehr Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten, sodass sich die lutherischen Reichsstände einerseits und die Katholiken in einer Liga andererseits zusammenschlossen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648) wurde der Augsburger Religionsfrieden erneuert und die kirchlichen Besitz- und Bekenntnisverhältnisse nach dem Stand von 1624 bestätigt. Die kirchlichen Spaltung im Deutschen Reich blieb erhalten.


Näheres zum protestantischen Glauben


Auch die Protestanten glauben an die Menschwerdung Christi, an die Kreuzigung und den Tod, sowie seine Auferstehung. Diese Ereignisse bilden die Basis für den Glauben der Protestanten. Genau wie in den anderen christlichen Religionen liegt dem protestantischen Glauben die Bibel zugrunde.

Der Protestantismus grenzt sich durch einige wichtige Merkmale von den anderen christlichen Glaubensrichtungen ab. Die evangelischen Christen haben kein direktes Oberhaupt auf Erden. Es gibt für sie keinen Papst.
Darüber hinaus erkennt die protestantische Kirche nur zwei heilige Sakramente, die Taufe und das Abendmahl, an.
Weiterhin wird man erst um das 14.-15. Lebensjahr in die Gemeinde aufgenommen. Nach der Konfirmation, die als Glaubensbekenntnis dienen soll, darf man zum Abendmahl gehen.
Im Protestantismus gibt es keine direkte Beichte von Pfarrer zu Gläubigem. Es ist üblich, dass sich die gesamte Gemeinde zu ihren Sünden bekennt. Dies geschieht vor dem Abendmahl.
Darüber hinaus verzichtet die evangelische Kirche auf die Messdiener. Lediglich einige Pressbyter unterstützen den Pfarrer bei seinem Gottesdienst.

Während die katholische Kirche es nicht begrüßt, wenn Gläubige anderer christlicher Religionen ihr Abendmahl besuchen, beziehen die Protestanten gerne Gäste in ihr Abendmahl mit ein.


Katholizismus


Wesensmerkmale der katholischen Kirche

Der Katholizismus basiert auf den drei Säulen Schrift, Tradition und Lehramt (Papst und Konzile). Hierbei hat jede Säule den gleichen Stellenwert.

Hierarchie /Papst


Der Papst ist der höchste Vertreter Gottes auf Erden und spielt deshalb in der römisch-katholischen Kirche die wichtigste Rolle. Seine Worte haben in der Welt nicht nur religiösen, sondern auch politischen Einfluss. Das Amt des Papstes wurde im vierten Jahrhundert eingeführt. Mit dem Bischof Siricius (348-399) beginnt die konkrete Geschichte eines Papstes. Der Bischof versucht sich von anderen Bischöfen abzugrenzen, indem er die sogenannten "Decreta und Responsa" (Dekrete und Antworten) verkündet. Einige Jahre später verlangt Bischof Innozenz, dass jede wichtige Entscheidung von Rom bestätigt wird. So bekommt der Papst bzw. Rom eine immer größere Rolle im Katholizismus.

Unfehlbarkeit


Die Vorstellung der "Unfehlbarkeit" existiert bereits seit dem 14. Jahrhundert. Erst im Jahre 1870 erlässt Papst Pius IX. zwei Papstdogmen, die jedoch großen Streit in der katholischen Kirche auslösten und sogar zur Abspaltung der altkatholischen Kirche führten.

1) Herrschaft über jede Kirche und jeden Christen
Ein Christ ist nur dann ein Christ, wenn er den Papst als seinen Herrn annimmt.

2) Unfehlbarkeit
Die Entscheidungen des Papstes sind von Gott eingegeben und können nachträglich nicht mehr geändert werden.

Zölibat/ keine Frauenordination


Aurelius Augustinus (354-430) führte den Begriff der Erbsünde auf, weil er der Meinung war, dass jeder ungetaufte Mensch in der Hölle landet. Um dies zu verhindern, verbot man die Sexualität und führte das Zölibat ein. Darüber hinaus wurde den Frauen verboten, Priester zu werden.

Heiligenverehrung


In der katholischen Kirche ist es üblich, dass die Menschen auf Erden für die Menschen im Himmel beten. Die Kirche geht davon aus, dass irdische und himmlische Kirche eine Einheit bilden. Besonders die Heiligen, verstorbene Menschen, die durch außerordentlichen Glaubenseifer oder ungewöhnliche Werke viel für den Glauben getan haben, werden verehrt. Nur der Vatikan kann Leute heilig sprechen.

Marienverehrung


Besonders die Mutter unseres Herrn Jesus Christus wird verehrt, denn sie wird als Mutter Gottes angesehen. Aufgrund ihrer unbefleckten Empfängnis´ musste sie nicht durch das Fegefeuer, durch das jeder Mensch nach seinem Tod hindurch muss.

Sakramente


In der katholischen Kirche gibt es sieben heilige Handlungen, die Sakramente genannt werden.

1) Mit der Taufe verpflichten sich die Eltern, ihr Kind nach dem christlichen Glauben aufzuziehen.
2) In der Bibel wird die Firmung als persönliches Bekenntnis zu Jesus beschrieben. Heute wird die Firmung als Bestätigung der Taufe und damit des Glaubens benutzt.
3) Das Abendmahl stellt für die Katholiken die Wiederholung der Kreuzigung Jesu dar. Früher durften nur Priester daran teilhaben, heute nimmt die gesamte Gemeinde teil, wenn Brot und Wein in Blut und Leib Christi umgewandelt werden.
4) In der Buße versöhnt sich der Gläubige wieder mit Gott, indem er einem Priester von seinen Sünden erzählt. In früherer Zeit konnte man diese Sünden mit Geld begleichen. Dies wurde doch von Luther stark kritisiert und darum abgeschafft.
5) Es ist üblich, im Katholizismus die Kranken zu salben, um ihnen Mut und Gottes Nähe zu vermitteln. Heute ist dieser Vorgang unter dem Namen "Krankensalbung" bekannt. Früher wurde er als "letzte Ölung" bezeichnet.
6) Mit der Ehe geht ein Partner den Bund für´s Leben ein. Aus diesem Grund darf die kirchliche Ehe nur einmal vollzogen werden. Kein Mensch, der die Prieserweihe empfangen hat, darf die Ehe eingehen.
7) Mit der Priesterweihe ist man berechtigt, die Sakramente auszuteilen. Heute muss man vor der Weihe Theologie studieren und eine Art Praktikum in einer Gemeinde vollziehen.

Liturgie


Bis zum zweiten vatikanischen Konzil war es üblich, dass eine Messe in Lateinisch abgehalten wurde. Die Gemeinde musste nicht zwingend anwesend sein. Mit dem Konzil wurde festgelegt, dass die Messe in der Landessprache abgehalten werden darf, was den Menschen eine gewisse Nähe zu Gott brachte.

by Daniel Schroeder

 

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