Hinduismus - Vergleich mit Christentum


Einleitung

Demjenigen, der aus dem Christlichen Westen der Welt kommt und sich eingehender mit Hinduismus beschäftigt, fällt sofort einiges auf, wenn er diese vollkommen anders geartete Religion betrachtet. Ich möchte in diesem Beitrag nicht nur diese oberflächlichen Unterschiede nachzeichnen, sondern auch auf weniger auffallende Gemeinsamkeiten eingehen. Zu diesem Zweck ist eine Gliederung in vier grössere Themenbereiche sinnvoll, wobei sich jedoch nicht ausschliessen ließ, dass sich einige Aspekte überschnitten, da diese Religion an sich eher von komplexer Natur ist.


Die Glaubensfrage:

In wie fern unterscheiden beziehungsweise ähneln sich
Hinduismus und Christentum?

Der offensichtlichste und auch schwerwiegenste Unterschied zwischen dem Glauben der Christen und dem der Hindus ist der Unterschied zwischen Monotheismus (Glaube an einen Gott) und Polytheismus (Vielgötterglaube). Es kommt sogar vor, dass ein Hindu an keinen der 330 Milionen Götter glaubt, von denen es im Hinduismus gute und böse gibt.
Ein weiterer Aspekt, den ein gläubiger Christ als störend emfinden würde, ist die Tatsache, dass es im Hinduismus keinen Religionsstifter wie Jesus gibt.
Weiterhin wählen Hinduisten regelrecht aus und verehrt denjenigen Gott, der ihm am besten gefällt oder von dem er sich Abhilfe in der momentanen Problemlage erhofft, mit einer Freiheit, die für einen Christen ungewohnt ist, da er stehts an einen Gott, seinen Herrn glaubt.
Es lässt sich jedoch sagen, dass die wichtigsten Gottheiten: Brahma, Vishnu und Shiva, drei an der Zahl, an die Trinität erinnern, die auch mit drei Teilen ein Ganzes (3:1) bildet, aber als drei Einheiten verehrt wird. In einem grösseren Maßstab (330.000.000:1) wäre dieses Muster auch auf den Hinduistischen Götterkanon anwendbar und fast identischen mit der christlichen Gottesform.


Rituale im Leben eines Gläubigen:
Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Alltag
von Christen und Hindus


Im Unterschied zum Christentum mit seinen verschiedenen Glaubens-bekenntnissen wie zum Beispiel das apostolinische Glaubensbekenntnis, fehlt so etwas im Hinduismus völlig.
Der Alltag eines Christen ist immer mit dem regelmässigen Kirchgang verbunden. Ein Hindu hingegen besucht so eine kirchliche Organisation nicht.
Zieht man zum Vergleich mit dem älteren, in Indien vertretenen, Hinduismus das Ständesystem des westeuropäischen Christentums im Mittelalter heran, fällt auf, dass es sich mit bei Ritualen der Sutti aus der Kaste der Krieger und ihren Frauen, die sich beim Tod ihrer Männer aus Trauer auf deren Scheiterhaufen warfen, und der Ritterlichkeit der adeligen Edelmänner, in beiden Fällen um einen Ehrenkodex handelt, ist meiner Meinung nach eine interessante Gemeinsamkeit.
Das Ziel des gläubigen Hindus, glaubte dieser nicht nur, wie christliche Gläubige in der Kirche oder asketisch in Klöstern zu erreichen, sondern darüber hinaus auch noch mit sexuellen Energien, dem Tantra, was für die eher "verklemmten" Christen undenkbar ist.
Eine Gemeinsamkeit teilen sich Christen und Hindus gleichermaßen: Eine Reihe von Regeln, die ein Zusammenleben regeln sollte: Die Dharma (siehe unten) und die Zehn Gebote, beide als Grundsatz moralischer und sittlicher Werte.


Die Gesellschaftsformen:

Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der
christlichen und der hinduistischen Gesellschaft

Der Hinduismus entstand circa 1000 vor Christus und ist somit die älteste der fünf Weltreligionen, während das Christentum circa 1000 Jahre jünger ist.
Während das Christentum das Glaubensbekenntnis und die heilige Taufe als Aufnahmeritual in die christliche Gemeinden hat, existiert so etwas nicht im Hinduismus: man wird in eine Kaste geboren und somit die Geburt zum Aufnahmeritual. Vergleichbar diesem Kastensystem ist in der christlichen Welt wohl das Ständesystem im Mittelalter, das auch so ähnlich aufgebaut war: Die obersten Kasten der Brahmanen und Kshatryas entsprechen hierbei Klerus und Adel und die Kasten der Vaishyas und der Shudras entsprechen den Bürgern und dem Untersten Stand.
Da Wissen, wie Lesen und schreiben auch im Hinduismus in der Vergangenheit nur den Gelehrten beziehungsweise den Brahmanen vorenthalten waren, wurden auch im Hinduismus wissenschaftliche Abhandlungen von Brahmanen zu Komentaren umgeschrieben und somit eine Zeit lang Versuche an empirisches Wissen zu gelangen, genau wie vom westlichen Klerus im Mittelalter auch.
Im Hinduismus war der Einzug in höhere Kasten bei ihrer Gründung möglich, ein Fakt der der Käuflichkeit von Adelstiteln im Mittelalter verblüffend gleicht.


Unterschiedliche weltanschauliche Auswirkungen
der Religionen auf ihre Anhänger


Der Hinduismus hatte auf die Weltanschauung seiner Anhänger unterschiedliche Auswirkungen wie den Respekt, den manche gläubigen Hindus vor Tieren haben, da sie auch Teile des Brahmans repräsentieren und in einem vorherigen Leben auch Menschen gewesen sein könnten. Christen hingegen sehen dies nicht so, da ihnen, der Krönung der Schöpfung, ihr Gott die Tiere und Lebewesen zu Untertan gemacht hat.
Weiterhin ist dem gläubigen Hindu, auf Grund des Kastensystems der Missionsgedanke fremd. Im Gegenteil zu dieser toleranteren Einstellung missionierten Christen schon immer "recht intensiv".
Aus dem religiösen Glauben eines Hindus ergibt sich für ihn auch eine generell andere Lebenseinstellung: Sein Ziel ist die Vereinigung mit dem Brahman und das Leben eine Qual. Hierraus resultiert eine bestimmte Gelassenheit in Betrachtung auf das Leben. Anders bei einem Christen, dem das Leben als Geschenk unendlich kostbar ist, obwohl nach dem Tode auch eine Auferstehung kommt.

by Thomas Walbröhl

 

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