Islam - Geschichte und Erfahrungen

Einleitung


Der Islam wurde zwischen 622 und 632 n. Chr. in Medina von Mohammed begründet. Es handelt sich hierbei um eine monotheistische Religion, dessen Gott in arabischer Sprache Allah genannt wird. Aus Sicht der Juden und Christen ist Allah nicht identisch mit JAHWE oder dem dreinigen Gott des Christentums. Neben Hinduismus, Judentum, Christentum und Buddhismus gehört der Islam zu den fünf Weltreligionen. Die uneingeschränkte Hingabe in den Willen Gottes ist sein vorrangiges Ziel. Die Anhänger des Islams nennen sich Muslime. Sie müssen sich an die im Koran niedergeschriebenen Gesetze halten. Da der Koran Allahs Wille enthält, hat er höchste Autorität in der islamischen Gemeinde (UMMA). Gleichzeitig ist er Grundlage für das islamische Recht, die Scharia. Für jeden Muslim sind die fünf Hauptpflichten verbindlich:
das Glaubensbekenntnis zu dem einen Gott (Schahada); das fünfmal täglich zu verrichtende Ritualgebet (Salat); die Almosengabe (Zakat); das Fasten während des Fastenmonats Ramadan und die Wallfahrt nach Mekka (Hadjdj).
Ebenso darf nach dem Gebot der Reinheit kein Muslim Schweinefleisch und Wein verzehren.
Weiterhin sind Gerechtigkeit und Beharrlichkeit wichtige ethische Normen.
Weltweit gibt es circa 1,19 Milliarden Anhänger des Islams. Sie teilen sich in zwei Hauptgruppen: die Sunniten (90 %) und die Schiiten (10%).


Begründung des Islam durch Mohammed


Mohammed, was nur ein Beiname war, wurde um das Jahr 570 n. Chr. in Mekka unter dem Namen Abu l-Kasim ibn Adb Allah geboren. Sein Vater Abd Allah, ein Kaufmann, starb vor seiner Geburt. 576 n. Chr. verstarb auch Mohammeds Mutter Amina. So namm ihn Abd al-Muttalibs, Mohammeds Großvater, auf. Nach dessen Tod kümmerte sich Mohammeds Onkel, Abu Talib, um Mohammed. Später wurde er Karawanenführer und heiratete um 595 die vierzigjährige Kaufmannswitwe Khadidja. Zu dieser Zeit war Mohammed etwa 25 Jahre alt. Aus der fünfundzwanzigjährigen Ehe mit Khadidja gingen ca. sieben Kinder hervor, wovon drei früh starben. Während Mohammeds Tätigkeit als Karawanenführer lernt er Anhänger verschiedener monotheistischer Religionen, wie dem Juden- und Christentum, kennen. Manche dieser Erfahrungen flossen später in den Koran ein.
Im Jahr 610 träumte Mohammed von einem Geist, der die spätere Sure 96, 1-5 zitierte. Nach diesem Traum erschien ihm der Engel Gabriel. Er bezeichnete ihn als den Erwählten Allahs. Vorerst gab es nur wenige Gläubige, bis Mohammed eine neue Offenbarung erfuhr. Nach ihr sollte er seine Botschaft den Menschen mitteilen. Von nun an sah sich Mohammed als das "Siegel der Propheten". Aus dieser Kette von Propheten ragten besonders Abraham/Ibrahim, Mose/Musa und Jesus/Isa heraus.
Im Jahr 620 hatte Mohammed eine weitere Erscheinung des Engels Gabriel, der ihn von Mekka nach Jerusalem entführte. Er bestieg mit ihm den heiligen Felsen, der der Ausgangspunkt zum Himmel war. Im Himmel begegnete Mohammed Propheten wie Joseph, Aaron und Mose. Dort fiel auch die Entscheidung, die Zahl der täglich zu vollrichtenden Gebete (Salat) von fünfzig auf fünf zu reduziern.
622 ging Mohammed nach Medina, da er in Mekka wegen seiner monotheistischen Ansichten nicht geduldet wurde. Bevor Mohammed nach Madina an-Nabi (Stadt des Propheten) kam, hieß sie Jathrib. Mit dem Jahr der Auswanderung Mohammeds (die Hidjra/Hidschra) begann auch unter Kalif Omar um 638 die islamische Zeitrechnung. In Medina sorgte er für die Versöhnung zweier heidnischer arabischer Stämme. Mit ihrer Hilfe vertrieb oder töte er drei einheimische jüdische Stämme und zog dann in den Krieg gegen Mekka.
624 bestimmte Mohammed, dass Mekka und nicht mehr Jerusalem Gebetsrichtung sei. Da Juden und Christen Mohammed nicht als Propheten akzeptierten, begründete er eine eigene Religion. Er machte den Freitag statt des Sabbats zum Feiertag, ersetzte den jüdischen Fastentag durch den Fastenmonat Ramadan, erklärte Mekka mit seinem Zentralheiligtum Kaaba (Beiname: "Haus Gottes") zur heiligen Stadt des Islam und schaffte eine Wallfahrt zur Kaaba. Allerdings behieltt er das jüdische Abbildungsverbot und die Speisevorschriften des Judentums bei. Ebenso blieb bei der jüdischen Beschneidung der Knaben. Auf seinem Sarg steht das islamische Glaubensbekenntnis in mehrfacher Ausführung: "Es gibt keinen Gott außer Allah. Muhammad ist der Gesandte Allahs."


Historische Entwicklung und Ausbreitung des Islam


Nach dem Tod Mohammeds stellte sich die Frage seiner Nachfolge. Es sollte entweder Ali, Mohammeds Cousin und Schwiegersohn, oder Abu Bakr werden. Ali war mit Fatima, einer Frau Mohammeds, und Chadidja, der ersten Frau Mohammeds, verheiratet. Abu Bakr war der Vater Aischas, Mohammeds Lieblingsfrau, und ein treuer Gefährte des Propheten. Aus dieser Auseinandersetzung ging Abu Bakr als Sieger hervor und wurde der erste Kalif (Nachfolger). Seine Amtszeit als Oberhaupt der Muslime dauerte zwei Jahre. Als seinen Nachfolger schlug er Omar ibn al-Khattab vor. Unter ihm wurden 636 n. Chr. unter anderem Syrien und Palästina, die einst byzantinisch waren, erobert. Ebenso führte er das Amt des Richters ein und erklärte die Hidschra zum Beginn der islamischen Zeitrechnung. 644 wurde er von einem Sklaven ermordet. Für die Wahl seines Nachfolgers hatte er ein Gremium von sechs Personen einberufen.
Der dritte Kalif Othman ibn Affan war ein Vertreter des altmekkanischen Hauses der Omaija, das zu Lebzeiten Mohammeds zu seinen Gegnern gehört haben soll. Aus diesem Grund verschärfte sich die Kritik Alis. Othman islamisierte das komplette persische Hochland. Da er einen Friedensvertrag mit den Christen geschlossen hatte, setzte sich die Missionierung Nordafrikas fort. Weiter ließ er die Bruchstücke des Koran zusammentragen und erstellte damit die schriftliche Fassung des Koran. Dadurch, dass Othman bei der Vergabe von Ämtern Familienangehörte begünstigte, wurde Kritik gegen ihn laut. Infolgedessen ermordeten ihn 656 Aufständische.
Vierter Kalif wurde Ali. Moawija, Statthalter in Syrien und Vertreter des Hauses Omaija, kannte Ali als Kalifen nicht an, da seine Wahl ohne das Mitwirken der Provinzfürsten geschah. Ali verlegte den Regierungssitz von Medina in die irakische Stadt Kufa. 661 wurde Ali ermordet.
Mit dem Kalifat Moawija begann die Herrschaftszeit der Omaijaden. Damaskus wurde jetzt zum Mittelpunkt der islamischen Welt. Doch die Schiiten blieben als Anhänger Alis in Kufa. 670 breitete sich der Islam in Nordafrika bis zur Atlantikküste aus. Ebenso ereigneten sich zur Herrschaftszeit der Omaijaden zwei innerislamische Bürgerkriege in Verbindung mit heftigen Seuchen und Hungersnöten. Husain, einer der Söhne Alis, versuchte zu dieser Zeit die Macht zu ergreifen, wobei er im Krieg gegen die Truppen des amtierenden Kalifen Yazid starb. Sein Todestag gilt bei den Schiiten heute noch als Feiertag. 685 übernahm Abd al-Malik das Amt des Kalifen. Er sorgte für die Beendung des Bürgerkrieges und führte Arabisch als Amtssprache ein.
Eine weitere Eroberung begann mit der Überquerung der Straße von Gibraltar 711. Schnell besetzten die Araber große Teile der Pyrenäeninsel. Die Karolinger leiteten sofort die Rückeroberung der Gebiete ein. Erst mit der Vertreibung aus Grenada 1492 fand die arabische Besetzung der iberischen Halbinsel ein Ende. Zeitgleich mit Eroberung der Pyrenäeninsel drangen arabische Truppen bis nach Nordostpersien vor. Von dort aus fand die spätere Islamisierung Indiens statt.
Es folgte 749 das Kalifat der Abbasiden, unter dem die Omaijaden verfolgt und ermordet wurden. Die Abbasiden strebten die Gleichstellung aller Muslime an. Europa blieb dem Islam, bis auf die iberische Halbinsel, der Expansion versperrt, doch konnte er sich in Teilen Asien und Nordafrika ausbreiten. Die Hauptstadt des Abbasidenreiches wurde Bagdad. Sie hatte den Namen "Stadt des Friedens" und repräsentierte mit ihrem in alle vier Himmelsrichtungen zeigenden Toren die Weltoffenheit und die Machtambitionen der Herrscher. Ebenso war die Stadt Schnittpunkt besonderer Handelsstraßen. Wissenschaften wie die Mathematik und Astronomie gewannen an Bedeutung. Doch Mitte des 9. Jahrhunderts endete das Abbasiden- Kalifat, da z.B. Randbereiche des Reiches nicht mehr gut zu kontrollieren waren. Diese Aufsplitterung führte zu autonomen Fürstentümern. Zur gleichen Zeit setzten die Schiiten Gegenkalifen ein, da sie das Kalifat der Abbasiden nicht mehr anerkannten.
Mitte des 11. Jahrhunderts eroberten die türkischen Seldschuken den Iran und Teile des Reiches von Byzanz. 1055 nahmen sie Bagdad ein und übernahmen das Kalifat. Der Sieg und die Einnahme großer Teile Anatoliens führten zu den späteren Kreuzzügen. So erlangeten die bewaffneten Kreuzfahrer nach Aufruf Papst Urban II. Jerusalem zurück. Ende des 11. Jahrhunderts zerfiel das Reich der Seldschuken in viele Kleinstaaten. Ende des 13. Jahrhunderts vertrieben die Mamluken die letzten Kreuzfahrer. Sie besiegten das Reich der Nubier, was die Ausbreitung des Islam auf Zentralafrika ermöglichte. Allerdings hatten die Mongolen, die aus Asien kamen, Bagdad besetzt. Der Rückeroberungsversuch der Mamluken schlug fehl. Da die Mongolen zum Isalm übertraten, konnte sich der Islam bis nach China ausbreiten. Die Expansion des Mongolenreiches nach Westen wurde von den Mamluken verhindert. 1260 unterlagen die Mongolen den Mamluken in einer Schlacht am Mittelmeer. Die Mongolen brachten durch ihre Feldzüge große Verwüstung über Russland, Anatolien und Indien. Die christliche Kultur wurde im Orient fast vollständig vernichtet.
Heute sind die Länder mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil Indonesien (170 Mio.), Pakistan (143 Mio.), Indien (110 Mio.) und Bangladesh (108 Mio.). Die größte muslimische Gemeinde in Europa findet man in Russland mit ca. 12 Millionen Menschen. Weitere große islamische Gemeinschaften gibt es in Frankreich und Großbritanien. Die größten Bevölkerungsanteile werden wiederum in Albanien (über 60 %), Bosnien und Herzegowina (rund 44 %) und Makedonien (25 bis 30 %) festgestellt. In Deutschland leben zur Zeit 2,8 Millionen Muslime.


Erfahrungen des "Okzidents" mit dem Islam - Die Kreuzzüge


Als der Islam im 7. und 8. Jahrhundert expandierte, kam er über Nordafrika auch auf die iberische Halbinsel. Dies war der erste Kontakt des Islams mit dem christlich abendländischem Europa. Weitere Aufeinandertreffen folgten, wobei die bedeutensten für Europa die Kreuzzüge waren. Auslöser waren die Besetzung des byzantinischen Reiches, dass unter römischer Herrschaft stand, und Jerusalems 1070 durch die Seldschuken. Als Papst Urban II. davon erfuhr, rief er zum Kreuzzug gegen die "Heiden" auf. Jedem Kreuzfahrer wurde der Sündenerlass versprochen. Ein Ziel der Kreuzzüge war unter anderem die Rückeroberung der heiligen Stadt Jerusalem. Eroberte Gebiete wurden durch zahlreiche Befestigungsanlagen gesichert, wodurch mehrere Kreuzfahrerstaaten entstanden. Es gab sieben Kreuzzüge im Zeitraum vom 11. bis 13. Jahrhunderts.
Zum ersten Kreuzzug (1096- 96) rief Papst Urban II. auf dem Konzil von Clermont am 27.11.1095 auf. Er begann als Volkskreuzzug, der Judenverfolgungen in Rouen und besonders im Rheinland mit sich brachte. Diese meist führungslosen Massen wurden, als sie in Kleinasien ankamen, vernichtend von den Seldschuken geschlagen. Dies war das Ende des ersten Kreuzzuges. Trotzdem war Jerusalem von einem Heer französischer, lothringischer und normannischer Ritter zurückerobert worden (15.7.1099). Es waren zusätzlich Kreuzfahrerstaaten, wie die Grafschaft Edessa, das Fürstentum Antiochia und die Grafschaft Tripolis entstanden. Allerdings gab es Rivalitäten zwischen ihnen, die sie schwächten.
Mit der Wiedereroberung Edessas durch den Islam 1144, rief Bernhard von Clairvaux zum 2. Kreuzzug (1147- 49) auf, der aber schon beim Einmarsch nach Kleinasien scheiterte.
Die Einnahme Jerusalems durch Sultan Saladin (1187) löste den dritten Kreuzzug (1189- 92) aus, der zur Eroberung Akkos 1191 führte.
Der 4. Kreuzzug (1202- 04) fand seinen Weg nicht ins heilige Land. Stattdessen erzielte er die Zerschlagung des byzantinischen Reiches und der Errichtung des lateinischen Kaiserreiches.
Kaiser Friederich II. führte den fünften Kreuzzug (1228/29) an. Er erwirkte bei Sultan Al- Kamil die Freigabe der christlichen Pilgerstätten. 1229 erfolgte die Krönung Friederich II. zum König Jerusalems. 1244 ging die Stadt wieder in islamischen Besitz über.
Ludwig IX. von Frankreich und sein Heer eroberten auf dem sechsten Kreuzzug (1248- 54) Damiette (Ägypten), gerieten trotzdem in Gefangenschaft. Sie wurden gegen ein Lösegeld wieder freigelassen.
Der siebte Kreuzzug (1270) sollte Tunis erobern. Dabei starb Ludwig IX. Als 1291 Akkos vom Islam eingenommen wurde, endete die Zeit der Kreuzfahrerstaaten.
In den Kreuzzügen ließen Tausende ihr Leben. Sie wurden aus religiösen Gründen geführt, hatten aber auch wirtschaftliche und politische Hintergründe. Sie hatten für den Okzident die Errungenschaft der griechisch- orientalischen Wissenschaften, wie die Mathematik und Astronomie, gebracht.


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